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Auszug aus dem Akupunkturwelt-Forum. Zur Frage: Tut Akupunktur weh?
Titel: Tut Akupunktur weh? Von: Kathrin Wunderer <kathrin.wunderer@t-online.de>
Datum: Samstag, 9. August 1997, 14:47 Uhr
Liebe Leute,
diese Frage mag vielleicht einige von Euch zum Schmunzeln bringen, aber ich frage mich wirklich:
Tut es nicht weh, wenn man Metallnadeln in die Haut gesteckt bekommt? Wie tief werden Sie hineingesteckt? Und wo liegt der Unterschied zur Akupressur? Fragen über Fragen... Wer antwortet mir?
Titel: Re: Tut Akupunktur weh? Von: Dr.med.B. Disselhoff <info@akupunkturwelt.de> Datum: Mittwoch, 13. August 1997, 15:12 Uhr
Hallo Frau Katrin Wunderer,
es gibt verschiedene Arten von Akupunktur und verschiedene Stichtechniken. Davon haengt ganz entscheidend der Schmerz ab. Die Koerperakupunktur ist eine der
Akupunkturen die, wie sie in Europa ausgefuehrt wird, wenig Schmerzen macht Natuerlich gibt es Unterschiede je nach Behandlungsgebiet: so ist der Ruecken
fast Schmerzunempfindlich, waehrend Punkte im Gesicht oder an der Hand empfindlicher sind. Die Ohrakupunktur, bei der die empfindlichere Ohrmuschel behandelt wird, ist etwas
schmerzhafter. Insgesamt lassen sich die Schmerzen aber gut ertragen. In den 12 Jahren, in denen ich die Akupunktur ausuebe, erinnere ich mich nur an zwei Patienten, die aufgrund von Nadelschmerzen
die Behandlung abbrachen. Die Stichtiefe ist sehr unterschiedlich; dort wo viel Muskulatur ist, wird tiefer eingestochen, dort wounter der Haut der Knochen liegt,
oberflaechlich. Die Schmerzen haengen uebrigens mit der Stichtiefe nicht zusammen. Die Akupunktur stellt, im Vergleich zur Akupressur, einen intensiveren Reiz dar, hervorgerufen durch
eine kleine Wunde, die die Akupunkturnadel verursacht. Eine Reihe von Akupunkturpunkten liegen auch tiefer im Gewebe und lassen sich durch die Akupressur nicht immer optimal erreichen.
Die Akupressur kann als sanfte Alternative zur Akupunktur bezeichnet werden, die auch durch Laien ausgefuehrt werden kann.
mit freundlichem Gruss
Dr. med. B. Disselhoff
Titel: Re: Tut Akupunktur weh? Von: Dr. Johannes Nepp <johannes.nepp@akh-wien.ac.at> Datum: Dienstag, 22. September 1998, 10:38 Uhr
Kathrin Wunderer schreibt:
> Liebe Leute, > > diese Frage mag vielleicht einige von Euch zum Schmunzeln bringen, > aber ich frage mich wirklich: > Tut es nicht weh, wenn man Metallnadeln in die Haut gesteckt
> bekommt? Wie tief werden Sie hineingesteckt? > Und wo liegt der Unterschied zur Akupressur? > Fragen über Fragen... > Wer antwortet mir?
Sehr geehrte Frau Wunderer!
Es ist fast eine tägliche Frage bei Patienten, die noch nie Akupunktur gehabt haben, ob diese weh tut. Nun ist es sicher so, daß der Einstich immer spürbar ist, bei optimaler Stichtechnik
gar nicht weh tun muß. Es gibt sicherlich mehr oder weniger empfindliche Stellen, - und diese sind meist dort, wo man sie nicht erwartet. Z.B. am Fuß oder an bestimmten Stellen der Hand.
Weniger empfindlich ist zumeist der Kopf. Es gibt aber auch unterschiedliche Stichtechniken, bei denen man mehr oder weniger starke Stimulationen machen muß.
Dann kommt noch dazu , daß es Tage oder Situationen gibt, an denen man viel mehr empfindlich ist. Und auch die lokale Stelle ist unterschiedlich empfindlich: z.B. bei einer Hautreizung (in
eine kranke Hautstelle sollte man nicht stechen); oder in eine Verspannung. Daher ist ein Trick, um keine Schmerzen zu haben: intensiv während des Stichs entspannen.
Dann gibt es aber auch noch das schon beschriebene De-Qi Gefühl (= Ankommen der Energie), das sich in Kribbeln, Wärme oder auch leichte Schmerzen äußeren kann, und dem Akupunkteur sagt, daß die Nadel richtig sitzt.
Und dies muß ich auch feststellen: manche Akupunkteure sagen, daß es weh tun muß, und sie stechen die Nadel immer in schmerzhafter Weise, eben um den Effekt eines DeQi Gefühls zu erleben.
Das DeQI ist aber kein muß, ist nicht erzwingbar. Und daher ist, wenn es zu Schmerzen kommt, nicht von einem DeQI zu sprechen, sondern von einer falschen Stichtechnik.
Fragen Sie Ihren Akupunkteur, ob er diesen Schmerz immer auslösen muß, dann betreibt er nämlich keine richtige Technik. Achten Sie auf Ihren Spannungszustand - bei Angst und Anspannung
tut alles weh, vielleicht sogar jede Berührung!
Zur Stichtiefe : Nadeln werden von oberflächlich bis in die Tiefe an den Knochen gestochen, doch darf es nie eine innere
Verletzung geben (daher sind Anatomiekenntnisse extrem wichtig!) Leider gibt es ein unangenehmes Phänomen: Unter der Haut wird der Stich gar nicht mehr wahrgenommen (außer bei Verletzung
empfindlicher Strukturen, wie Nerven, Sehnen, Gelenken etc) Eine große Erkenntnis unseres Lehrers Prof Bischko ist es, daß entgegen der chinesischen Philosophie , praktisch immer rein
oberflächliche Stiche die selbe Wirkung hat, wie tief gestochene Nadeln. Damit wird aber die Gefahr der inneren Verletzungen deutlich vermindert.
Akupressur (richtiger: "Tui-Na") ist eine Methode , bei der Massage auf Akupunkturpunkten angewandt wird. Ein ähnlicher effekt ist ohne Nadelung erzielbar, zumeist aber etwas schwächer
und etwas kürzer wirksam. Bei richtiger Anwendung kann der Effekt aber auch sehr intensiv sein, nur ist die Massagetechnik relativ aufwendiger. Und wie oben gesagt, kann es sein, daß bei
extremer Empfindlichkeit auch die Massage unangenehm ist. Hier ist für denTherapeuten Feingefühl angesagt! Besonders bei Kindern, aber auch bei überempfindlichen Erwachsenen ist diese Methode sehr gut anzuwenden.
(Hier in Wien wird dies im Akupunkturinstitut von Prof. Meng unterrichtet!)
Sehr gehrte Frau Wunderer! Ihre Fragen sind viel ernster, als Sie glauben. Aber ich hoffe, Ihre Unklarheiten verringert zu
haben. Schmunzeln dürfen Sie nur darüber, wie lange es manchmal braucht, die richtigen Worte einer Antwort zu finden!
Ihr Johannes Nepp
Titel: Re: Tut Akupunktur weh? Von: Lydia Madlener <Lydiasin@aol.com> Datum: Freitag, 18. Mai 2001, 21:56 Uhr
Kathrin Wunderer schreibt: > Liebe Leute, >
> diese Frage mag vielleicht einige von Euch zum Schmunzeln bringen, > aber ich frage mich wirklich: > Tut es nicht weh, wenn man Metallnadeln in die Haut gesteckt
> bekommt? Wie tief werden Sie hineingesteckt? > Und wo liegt der Unterschied zur Akupressur? > Fragen über Fragen... > Wer antwortet mir?
Liebe Frau Kathrin Wunderer
...Diese Frage, ob Akupunktur weh tut, habe ich mir auch schon gestellt, sogar noch kongreter: Muß Akupunktur weh tun? Die Antwort bekam ich in China: Während
meines insgesamt 3-monatigen Aufenthaltes in Lu Zhou mit Studiengruppen der Paracelsus-Schulen, geleitet von HP Thews,durfte ich im Bedside-Teaching (der Arzt steht
daneben)akupunktieren. Das erste, was ich dabei lernte, war: Die chinesischen Patienten wollen etwas spüren: Das deqi-Gefühl. Gemäß der TCM, wie sie in China praktiziert wird, ist nur der
ein guter Arzt bzw. Meister, der ein deqi-Gefühl auslösen kann. Was heißt das genauer? Das deqi-Gefühl auslösen bedeutet, daß der Patient einen dumpfen Schmerz empfindet, dort wo die Nadelspitze das deqi des
Akupunkturpunktes erreicht. Spürt der Patient nichts, so weiß er, daß die Nadelmanipulation erfolglos war und der Arzt manipuliert eben so lange nach, bis das deqi erreicht ist. Es
gibt aber auch noch einen anderen Schmerz, und das ist ein Nervenschmerz: Ein heller, stechender Schmerz bereits beim Eindringen der Nadel in die Haut. Dieser Schmerz ist natürlich
nicht erwünscht, auch nicht in China. Das ist kein Meister, der dem Patienten weh tut. Es kann aber durchaus passieren, daß der Einstich weh tut. Nur hat das nichts mit den Heilkräften zu tun,
die mittels Akupunktur aufgerufen werden sollen. Um beim Akupunktieren ein deqi-Gefühl auslösen zu können, braucht es schon eine gewisse Übung, vor allem für uns Europäer. "Be
carefully" war eine häufige Ermahnung, und Qigong-Übungen waren an der Tagesordnung dort, wo die Sensibilität der eigenen Hände gesteigert werden sollte.
Es gäbe hier noch vieles zu berrichten, doch ich hoffe, hiermt einen kleinen Beitrag geleistet zu haben zu Ihrer Frage, ob Akupunktur weh tut.
Mit freundlichem Gruß
Lydia Madlener
Quellenangaben
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